Keine Architektur hatte Mitte der 50er Jahre eine größere Aufgabe, nämlich die, des Wiederaufbaus, Neubeginns und Ausdruck von Freiheit als dieser Gebäudekomplex. BIKINI BERLIN nimmt diese Herausforderung an: Die Bewahrung der architektonisch und ästhetisch damals schon zukunftsweisenden Strukturen - und die erhebliche Revitalisierung des Standortes anhand der Bedürfnisse an Lebensräume der Zukunft integrieren Vergangenheit und Zukunft zu etwas Neuem.
Bereits 1862 angelegt, etablierte sich der Neue Westen in den „Goldenen zwanziger Jahren“ als Ort der Unterhaltung und Treffpunkt der
Künstler- und Intellektuellenszene in direkter Konkurrenz zum
Potsdamer Platz und Alexanderplatz.
Durch den Ausbau des Kurfürstendamms zu einer 53 Meter breiten Prachtstraße nach Pariser
Vorbild und dem Bau des KaDeWe 1907 am Wittenbergplatz wurde
der Standort zum beliebtesten Einkaufsstandort, zu dem auch bald
zahlreiche Cafés, Restaurants, Theater, Filmhäuser, Boutiquen und
Galerien gehörten. Das Ziel des Wiederaufbaus des Kurfürstendamm
während des Kalten Krieges war, ein Symbol für das Wirtschaftswunder zu schaffen. Die City West hatte zu Zeiten der Teilung eine
Monopolstellung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.
Bauten wie das Zentrum am Zoo (Zoobogen), das Bikinihaus, der
Zoo Palast und
das EuropaCenter stehen beispielhaft für die architektonische Entwicklung der Nachkriegsmoderne.
Der Zoologische Garten (1846), heute noch der artenreichste der Welt und die 1961 wieder aufgebaute Gedächtniskirche, mit ihrer Turmruine, seit Jahrzehnten das Wahrzeichen des westlichen Teils der Stadt, sind beliebte Ziele vieler Berliner und Touristen.
Die außergewöhnliche Chance zu erkennen, an der Grenze zwischen der grünen Oase des Tiergartens und dem urbanen, pulsierende Lebens des Kurfürstendammes einen Gebäudekomplex zu schaffen, der per se aber auch in seiner historisch-kulturellen Bedeutung Grenzen sprengen sollte, war einzigartig. Paul Schwebes und Hans Schoszberger haben ein aufgeräumtes, transparentes Ensemble geschaffen. Ein Zentrum, das für wirtschaftlichen Aufschwung stand und ein Meilenstein für den kreativen Aufbruch der Bundesrepublik war. Sie brachten das über ein Höchstmaß an Transparenz in der Fassadengestaltung zum Ausdruck; nicht nur durch das Luftgeschoss im 2. Stock. Mit bodentiefen Fenstern im Erdgeschoss und dem Säulengang haben sie ein Gebäude geschaffen, das den Menschen nicht einschloss, sondern teilhaben ließ. So entstand 1955 weit mehr als ein reiner Nutzbau. Die Leichtigkeit, die dem Gebäude noch heute innewohnt, ist signifikant und prägt den Ort.
Mit dem Mauerfall verlor der Standort zwar seine Monopolstellung, blieb aber nicht zuletzt auch wegen der nahezu perfekten Anbindung an den Individualverkehr eines der beliebtesten touristischen Ziele Berlins und gleichzeitig Einzelhandelsmagnet.